Wie schmeckt der Frühling?
Zwischen Wort und Geschmack - eine Annäherung
Der Winter verabschiedet sich leise, der Frühling kündigt sich vorsichtig an.
Mit den wärmenden Tagen kehren sanftere Aromen zurück. Nach den kräftigen Röstaromen des Winters rücken jetzt feinere, sanftere Geschmäcker in den Vordergrund.
Ein wunderbares Beispiel dafür ist der elegante Sencha aus Uji, der Wiege des japanischen Grüntees.
Diese Feinheiten der Geschmacksnuancen am Gaumen zu beschreiben ist schwierig. Unter erfahrenen Teetrinkerinnen und Teetrinkern mag es einen gemeinsamen Nenner geben – doch wer dem Tee nur gelegentlich begegnet, wird Geschmacksunterschiede wahrnehmen, aber wird sich schwertun, diese Nuancen zu beschreiben und einzuordnen.
Unterschiedliche Attribute und Vergleiche helfen zwar eine gemeinsame Sprache zu finden. Wir verstehen Worte wie «grasig» oder «heuig», weil wir wissen, wie Gras bzw. Heu riechen. Gerüche sind alte und tief verwurzelte Erinnerungen. Oft werden sie deshalb mit einer stark erlebten Situation, mit einem Erlebnis oder einer Person assoziiert: einem frischen Frühlingsmorgen oder einen Spaziergang entlang einer vor Kurzem gemähten Wiese. Fachbegriffe wie «adstringierend» sind interessierten Teetrinkerinnen und Teetrinkern wohl geläufig, lösen aber keine Emotionen oder Erinnerungen aus.
Diese Frage beschäftigt mich immer wieder: Wie kann ich Ihnen einen Tee mit Worten, Bildern, Assoziationen so nahebringen, dass er für Sie lebendig wird und Sie Lust bekommen ihn zu versuchen?
Letztlich bleibt der Genuss aber zutiefst persönlich. Es ist das Zusammenspiel der Sinne, die eigene Geschichte, die eigenen Vorlieben und Erfahrungen, die ein wahrgenommenes Aroma mit beeinflussen. Wir können diese Wahrnehmung aber positiv gestalten, indem wir achtsam sind bei der Zubereitung und den Moment des Genusses konzentriert erleben.
Meine Beschreibungen und Blogbeiträge sind Einladungen: Sie sollen neugierig machen, eine Brücke bauen. Die eigentliche Geschichte des Genusses aber schreiben Sie selbst – Tasse für Tasse. Sie können meinen Beschreibungen folgen und mit Ihrem Erleben vergleichen oder sich ein Degustationsset schicken lassen und ihre eigene Landkarte der Geschmäcker zeichnen.
Ich würde mich auch über Rückmeldungen Ihrer Eindrücke freuen, damit ich meinerseits mein Vokabular bereichern kann.
